Cornelsen und Fraunhofer UMSICHT im Projekt Perfluor.Dat

Autorin: Dr. Verena Stenert

Dr. Verena Stenert ist promovierte Chemikerin und seit fast zwei Jahrzehnten in der Wasserreinigungsbranche tätig. Seit über zehn Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit der Entfernung von PFAS und bringt ihre umfassende Expertise in unterschiedlichste Reinigungsverfahren ein.

Bei der Cornelsen Umwelttechnologie GmbH verantwortet sie die Leitung von Forschungsprojekten und führt Labor- sowie Technikumsversuche im Kundenauftrag durch. Ein besonderer Fokus liegt auf dem innovativen und patentierten PerfluorAd®-Verfahren zur PFAS-Entfernung, das sie regelmäßig auf Fachveranstaltungen und bei Kundenpräsentationen vorstellt.

Mit einem ausgeprägten Gespür für technische Entwicklungen und neuen analytischen Ansätzen arbeitet Dr. Stenert kontinuierlich daran, bestehende Verfahren weiterzuentwickeln – denn die Herausforderungen im Bereich der PFAS-Eliminierung wachsen stetig.

Inhaltsverzeichnis

PFAS – hartnäckig und weit verbreitet. Die große Stoffgruppe der Per- und Polyfluoralkylsubstanzen umfasst mehrere tausend Verbindungen, die in zahlreichen industriellen Anwendungen eingesetzt wurden – und gleichzeitig eine erhebliche Herausforderung für Umwelt, Industrie und Gesellschaft darstellen.

Mit dem PerfluorAd®-Verfahren haben Cornelsen und das Fraunhofer-Institut UMSICHT eine praxiserprobte Technologie etabliert, die bestimmte PFAS effizient und wirtschaftlich aus wässrigen Medien entfernt. Das Verfahren ist bereits erfolgreich in den Markt eingeführt – in Deutschland, Großbritannien, den Benelux-Ländern, Skandinavien sowie den USA.

Im Rahmen des vom Land NRW geförderten Forschungsprojekts Perfluor.Dat entwickeln wir dieses Verfahren gemeinsam weiter – mit dem Ziel, die Anwendung noch flexibler, wirksamer und international anschlussfähiger zu gestalten.

Ziel: Prozessoptimierung für eine neue Generation der PFAS-Aufbereitung

Das Projekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz zur Optimierung des PerfluorAd®-Verfahrens. Im Mittelpunkt stehen folgende technische und wissenschaftliche Ziele:

  • Erfassung und Analyse bestehender Anwendungen zur Ableitung relevanter Einflussfaktoren
  • Erprobung neuer Co-Additive, um die Reaktionswirksamkeit und Filtrierbarkeit zu verbessern
  • Validierung von Messmethoden wie Leitfähigkeit, Gesamtfluor, oder TOC zur Prozessüberwachung
  • Aufbau eines digitalen Datenmanagementsystems, das Messwerte erfasst, analysiert und in Modelle zur Prozesssteuerung überführt
  • Machbarkeitsstudien zur praktischen Umsetzung in PerfluorAd®-Aufbereitungsanlagen

Das Optimierungspotenzial ist dabei erheblich:

  • Deutliche Reduktion der Restkonzentrationen von PFAS und TOC
  • Bessere Sedimentation, Flotation und Filtrierbarkeit der gebildeten Flocken
  • Einsatz eines multifunktionalen Additivs, das auch besonders schwer abbaubare, hydrophile PFAS wie PFBA erfasst
  • Erweiterung des Anwendungsbereichs auf sehr geringe PFAS-Konzentrationen unter 10 µg/L

Cornelsen bringt seine langjährige Erfahrung aus der Praxis in die Weiterentwicklung ein und arbeitet eng mit dem Fraunhofer UMSICHT daran, die Ergebnisse in robuste, anwendungsreife Lösungen zu überführen.

Vielfältige Einsatzbereiche – national wie internationa

Das Verfahren wird bereits erfolgreich in verschiedenen Anwendungsfeldern eingesetzt, z. B. bei der Aufbereitung von:

  • Wässern aus der Wartung von Löschanlagen, Containern, Sprinklern und Einsatzfahrzeugen
  • Industriellen Prozessabwässern
  • Konzentraten aus Umkehrosmose- oder Nanofiltration
  • Deponiesickerwässern
  • Wässern aus Bodenwaschanlagen
  • PFAS-belastetem Grundwasser

Mit der Weiterentwicklung im Rahmen von Perfluor.Dat wird das Verfahren noch vielseitiger einsetzbar – auch bei sehr niedrigen PFAS-Konzentrationen und unter länderspezifischen Anforderungen.

Für wen ist das relevant?

Besonders profitieren können:

  • Betreiber von Bodenwäschen, Industrieanlagen und Deponien
  • Verantwortliche in der zivilen und militärischen Flugfeldinfrastruktur
  • Betreiber von stationären Löschanlagen sowie Einsatzfahrzeugen
  • Chemie- und petrochemische Industrie
  • Umweltbehörden, Aufsichtsstellen und Wasserverbände

Durch die Verknüpfung von Forschung, Praxiswissen und Digitalisierung entsteht ein System, das nicht nur reagiert, sondern mitlernt – für eine effizientere, transparente und nachhaltige Wasseraufbereitung.

Gemeinsam weiterdenken

Das Projekt Perfluor.Dat zeigt, wie durch gezielte Kooperation neue Standards im Umgang mit PFAS gesetzt werden können. Die Verbindung aus wissenschaftlicher Tiefe und praktischer Anwendungsnähe stärkt den Technologiestandort NRW – und leistet einen aktiven Beitrag zur nachhaltigen Reduzierung von PFAS-Einträgen in die Umwelt.

Für sauberes Wasser. Für eine sichere Zukunft.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum PerfluorAd®-Verfahren und dem Projekt Perfluor.Dat

Was ist das PerfluorAd®-Verfahren?

Das PerfluorAd®-Verfahren ist ein innovatives Fällungsverfahren zur Entfernung von PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) aus wässrigen Medien. Es kombiniert eine physikalische Fällung mit anschließender Abtrennung der PFAS-haltigen Flocken und wird bereits erfolgreich in verschiedenen Ländern eingesetzt.

Wo wird das PerfluorAd®-Verfahren bereits eingesetzt?

Das Verfahren ist aktuell in Deutschland, Großbritannien, den Benelux-Ländern, Skandinavien sowie in den USA erfolgreich in den Markt eingeführt. Es wird in der industriellen Wasserbehandlung, bei Sanierungsprojekten und in der Wartung von Löschanlagen verwendet.

Welche Medien können mit dem PerfluorAd®-Verfahren behandelt werden?

Das Verfahren eignet sich zur Aufbereitung von:

  • Wässern aus der Wartung von Löschanlagen, Sprinklern, Containern und Einsatzfahrzeugen
  • Industriellen Abwässern und Prozesswässern
  • Konzentraten aus Umkehrosmose oder Nanofiltration
  • Sickerwasser aus Deponien und Bodenwaschwässern
  • PFAS-belastetem Grundwasser

Was ist das Projekt Perfluor.Dat?

Perfluor.Dat ist ein vom Land Nordrhein-Westfalen gefördertes Forschungsprojekt, das die Weiterentwicklung und Optimierung des PerfluorAd®-Verfahrens zum Ziel hat. Es wird gemeinsam von der Cornelsen Umwelttechnologie GmbH und dem Fraunhofer-Institut UMSICHT durchgeführt.

Was sind die Ziele des Projekts Perfluor.Dat?

Das Projekt verfolgt u. a. folgende Ziele:

  • Analyse bestehender Anwendungsdaten zur Identifikation relevanter Prozessparameter
  • Erprobung neuer Co-Additive zur Verbesserung der Abscheideleistung
  • Entwicklung einfacher Messmethoden zur Prozesskontrolle (z. B. DOC, Gesamtfluor)
  • Aufbau eines digitalen Datenmanagementsystems zur Prozessoptimierung
  • Praxistests in realen Aufbereitungsanlagen

Welche PFAS können mit PerfluorAd® entfernt werden?

Das Verfahren entfernt effektiv ein breites Spektrum an anionischen PFAS – einschließlich lang- und kurzkettiger Verbindungen wie PFBA. Durch den Einsatz multifunktionaler Additive ist auch die Behandlung hydrophiler PFAS möglich.

Welche Vorteile bietet PerfluorAd® gegenüber anderen PFAS-Technologien?

  • Hohe Abscheideleistung bei gleichzeitig niedrigen Betriebskosten
  • Minimierung der PFAS-haltigen Abfallmenge
  • Mobile und stationäre Anwendung möglich
  • Einfach skalierbar und international einsetzbar
  • Anwenderfreundliche Messmethoden und datengetriebene Steuerung

Für wen ist das Verfahren besonders interessant?

Das Verfahren richtet sich an:

  • Betreiber von Bodenwaschanlagen, Industrieanlagen und Deponien
  • Betreiber von stationären Löschanlagen und Einsatzfahrzeugen
  • Verantwortliche für militärische und zivile Flughäfen
  • Unternehmen der chemischen und petrochemischen Industrie
  • Umweltbehörden und Aufsichtsstellen

Wie funktioniert die Weiterentwicklung im Projekt Perfluor.Dat konkret?

Im Projekt werden neue chemische Additive getestet, Daten aus der Praxis ausgewertet und digitale Modelle zur Prozesssteuerung entwickelt. Ziel ist ein lernendes System, das sich flexibel an verschiedene PFAS-Quellen und gesetzliche Anforderungen anpassen lässt.